08.Juli 2010

Rückgang von Kinderwunsch und Geburten in Deutschland

Weniger Babys und auch weniger künstliche Befruchtungen

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Meldung

Berlin – Der Geburtenrückgang in Deutschland hat sich auch im Jahr 2009 fortgesetzt. Die Zahl der lebend geborenen Kinder sank um 24 000 oder 3,6 Prozent im Vergleich zu 2008. Insgesamt kamen nach den vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr 651 000 Kinder zur Welt. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) verwies in Berlin darauf, dass diese Entwicklung bereits seit den 1970er-Jahren in Gang sei: „Entscheidend für die Einordnung der aktuellen Geburtenzahlen ist, dass es heute weniger Frauen gibt – und damit natürlich auch weniger Geburten“, betonte die Ministerin. Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bestätigen, dass in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Frauen im Alter von 15 bis 50 Jahren um fast eine Million zurückgegangen ist. Die Zahl der Sterbefälle verharrte 2009 demgegenüber etwa auf dem Stand des Vorjahres          (s. Abbildung). „Es gibt viele Gründe, warum Paare keine Kinder bekommen. Dazu zählen auch die Wirtschaftskrise und die damit verbundene Angst um den Arbeitsplatz“, so Schröder. Auch durch Elterngeld und den Ausbau der Kinderbetreuung ist Deutschland bisher nicht familienfreundlicher geworden.

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Weiterhin auf deutlich reduziertem Niveau finden sich IVF/ICSI-Behandlungszyklen. Von Anfang der 1980er-Jahre bis 1992 war die Zahl der Follikelpunktionen (plausible Zyklen) im Zusammenhang mit IVF oder ICSI auf insgesamt etwa 15 000 pro Jahr gestiegen. 2003 war mit rund 79 447 Punktionen pro Jahr der Höhepunkt erreicht. 2004 halbierte sich die Zahl der Behandlungen nahezu auf etwa 37 000 pro Jahr. Seither stagnieren die IVF-bedingten Follikelpunktionen mit 11 000 pro Jahr, und die ICSI-bedingten sind von etwa 25 000 im Jahre 2004 auf 33 591 im Jahre 2008 leicht gestiegen. Reproduktionsmediziner Professor Dr. med. Christian Thaler von der LMU München sieht das Gesundheitsmodernisierungsgesetz von 2004 als eine der Ursachen für diese dramatische Entwicklung. Laut § 27 a SGB V übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei einer IVF/ICSI-Therapie nur noch 50 Prozent der Kosten für die ärztliche Leistung und die notwendigen Medikamente, das dann auch nur für bis zu drei Behandlungszyklen. Die übrigen Kosten, die sich pro Zyklus auf etwa 1 500 Euro belaufen, müssen die Paare selbst tragen. Eine weitere Einschränkung: Das Alter der Frau muss zwischen 25 und 40 und das Alter des Mannes zwischen 25 und 50 Jahren liegen, um eine Kostenerstattung zu erhalten. „Ich finde es gelinde gesagt unredlich, dass wir als relativ wohlhabendes Land junge Paare so in eine finanziell prekäre Situation bringen“, so Thaler. Er fordert – auch vor dem Hintergrund der Überalterung der Gesellschaft – eine entsprechende ­Gesetzesänderung.                 pep Weitere Informationen: Statistisches Bundesamt Deutschland,
www.ivf-uni-muenchen.de

Bildnachweis: picture-alliance/dpa-infografik, DIR, Deutsches IVF-Register, Jahrbuch 2008