15.Januar 2012
Rezidivierendes Ovarialkarzinom
Neues Therapieregime verlängert Überlebenszeit signifikant
von Dr. Uwe A. Richter
Basel (Schweiz) - Die Zahlen für das Ovarialkarzinom sind bedrückend: Pro Jahr werden in Deutschland zirka 10 000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Mit einer bescheidenen Prognose, kommt es doch bei fast 70 Prozent der Frauen bereits innerhalb der ersten drei Jahre nach Erstlinien- therapie zu einem Rezidiv. Neue Kombinationen in der Zweitlinientherapie zeigen jedoch positive Fortschritte, die anlässlich der diesjährigen DGHO- (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie) Tagung vorgestellt wurden. So verlängerte die Kombination aus Trabectidin plus pegyliertem Doxorubicin (PLD) die Überlebenszeit von Patientinnen mit platinsensiblem Ovarialkarzinom nach Rezidiv signifikant. Zum Therapiestandard bei Ovarialkarzinom gehört immer die maximal mögliche operative Entfernung sowie - bis auf das FIGO-Stadium 1A, Grad 1 - eine folgende platin- und/ oder taxanhaltige Chemotherapie. Bei zirka zwei Drittel der Patien- tinnen kommt es innerhalb von drei Jahren zu einem Rezidiv. Bei Patientinnen mit einem platinsensitiven Tumor ist das Mittel der Wahl ein erneutes platinhaltiges Therapieregime, welches allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet ist. Als wesentlicher Prog- nosefaktor nach einem Rezidiv hat sich in der Studie von Sehouli et al. (Ann Oncol 2011) gezeigt, dass die Wirksamkeit einer erneuten Platintherapie entscheidend von der Dauer des platinfreien Intervalls (PFI) abhängt. Angesichts der hohen Anzahl der Rezidive bei dieser Tumor entität und dem dadurch bedingten hohen Therapiedruck lautete die Fragestellung: Welche Substanz ist bei geringerer Toxizität in der Lage, das platinfreie Intervall deutlich zu verlängern? Und wie entwickelt sich die Gesamtprognose?
Trabectidin - Antitumoraler Wirkstoff aus dem Meer
In dieser Hinsicht scheint man einen erheblichen Schritt vorangekommen zu sein: In der Schlüsselstudie (pivotal study) OVA-301 wurden 672 Patientinnen randomisiert, die nach einem platinhaltigen Regime ein Rezidiv erlitten hatten und deren Tumoren als platin- sensibel oder partiell platinsensibel klassifiziert worden waren. Die eine Gruppe erhielt ein Regime bestehend aus Trabectidin (1,1 mg/ m2) plus PLD (30 mg/m2), die andere Gruppe ausschließlich PLD (50 mg/m2) alle vier Wochen. Bei Trabectidin (Yondelis®) handelt es sich um eine mittlerweile synthetisch herstellbare Substanz, die zuerst aus der Seescheide (Ecteinascidiae turbinata), einem wirbellosen Meerestier, gewonnen wurde. Trabectidin ist der erste Vertreter einer neuen Klasse antitumoral wirksamer Substanzen. Trabectidin bindet dabei an die kleine Furche der DNA und führt nach Versagen der DNA- Reparaturmechanismen zum Zelltod. Die Substanz fand zuerst in der Therapie von metastasierten Weichteilsarkomen ihren Einsatz (Zulassung hierfür 2007).
Nach einem medianen follow up von 47,4 Monaten zeigte sich in der Studie OVA- 301 eine um 3,2 Monate verbesserte Überlebensquote gegenüber der Standardtherapie. Die Analyse der Subgruppen platinsensibler (= platinfreies Intervall > 6 Monate) und partiell platinsensibler Tumor (= platinfreies Intervall 6 -12 Monate) brachte dann Überraschendes zutage: Für platinsensible Tumoren betrug der Überlebensvorteil der Trabectidin/PLD-Gruppe versus der PLDGruppe 27 zu 24,1 Monate, in der partiell platinsensiblen Gruppe 22,4 zu 16,4 Monate. Adjustiert an den Prognosefaktor platinfreies Intervall führte Trabectidin plus PLD zu einer 22-prozentigen Reduktion des Sterberisikos bei platinsensiblen Patientinnen, welches sich auf 35 Prozent in der Gruppe der partiell platinsensiblen Patientinnen erhöht. Bei Patientinnen, welche eine Kombinationstherapie erhalten hatten und unmittelbar bei Tumorprogression erneut mit einem platinhaltigen Regime behandelt wurden, betrug die Riskoreduktion sogar 43 Prozent.
Fazit für die Praxis
Die Ergebnisse zeigen, dass die Kombination Trabectidin plus PLD als nicht platin-/ taxanhaltige Therapie vor einer erneuten Platintherapie zu einer bemerkenswerten Verlängerung des Gesamtüberlebens von bis neun Monaten führt. "Mit dieser Therapiesequenz wurden in dieser speziellen Subgruppe Überlebenszeiten erreicht, wie sie bisher in der Literatur noch nicht beschrieben worden sind", so Privatdozentin Dr. med. Christina Fotopolou, leitende Oberärztin der Frauenklinik an der Charité Berlin anlässlich eines Pressegesprächs von Pharmamar im Oktober diesen Jahres. Dr. med. Christian Kurzeder, Oberarzt an den Kliniken Essen- Mitte ergänzte, dass auch in späteren Therapielinien Trabectidin eine wirksame therapeutische Option mit akzeptablen Nebenwirkungen ist.
Quellenhinweis und weitere Informationen: www.dgho.de, www.pharmamar.com

