15.Januar 2012

Positiver Effekt auf das Immunsystem?

Intrauterinpessar senkt Zervixkarzinomrisiko

Aktuell

von Dr. med. Julia Gallwas und Privatdozent Dr. med. Christian Dannecker

Barcelona - Die Verwendung von Intrauterinpessaren (IUP) zur Antikonzeption senkt das Risiko für die Entstehung von Zervixkarzinomen. Zu diesem überraschenden Ergebnis kam eine im September dieses Jahres in Lancet Oncology publizierte Studie: Eine internationale Forschungsgruppe um Xavier Castellsagué vom Institut Català d'Oncologia in Barcelona analysierte die gepoolten Daten von zwei großen Studien, die von der IARC (International Agency for Research on Cancer) und dem ICO (Institut Català d'Oncologia) im Rahmen eines Forschungsprogramms über die Zusammen- hänge von humanen Papillomviren (HPV) und dem Zervixkarzinom durchgeführt wurden. Seit der Einführung von IUP in den 1930er- Jahren wurde immer wieder diskutiert, ob diese Form der Antikonzeption zu einem erhöhten Zervixkarzinomrisiko führt. Lassise et al. konnten 1991 in einer großen fallkontrollierten Multicenter Studie in den USA weder für Kupferspiralen noch für hormonfreisetzende Pessare einen signifikanten Abfall oder Anstieg des Zervixkarzinomrisikos belegen. Eine 2007 erschienene Übersichtsarbeit von Curtis, Marchbanks und Peterson, die vier fallkontrollierte Studien einschloss, ließ ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen der IUP-Verwendung und dem Auftreten eines Zervixkarzinoms erkennen.

Verbesserte Immunantwort?
In die vorliegende Arbeit von Castellsagué et al. wurden aus den fallkontrollierten Studien 2 205 Frauen mit Zervixkarzinom und 2 214 Frauen ohne Zervixkarzinom sowie aus den HPV-Prävalenzerhebungen 15 272 Frauen eingeschlossen. Es zeigte sich, dass HPV-negative Frauen, die IUP zur Antikonzeption verwendeten, signifikant seltener an einem Zervixkarzinom erkrankten (Odds Ratio 0,55; 95 % KI 0,42-0,70; p < 0,0001). Für HPV-positive Frauen konnte dieser Zusammenhang nicht belegt werden. Es zeigte sich weiterhin keine Korrelation zwischen der IUP-Verwendung und der Inzidenz von HPV. Die Dauer der Antikonzeption hatte auf den Effekt keinen Einfluss. Eine Differenzierung zwischen hormonfreisetzenden und kupfernen IUPs war anhand der Daten nicht möglich. Als mögliche Erklärung für den dargelegten positiven Effekt von Pessaren wird eine fremdkörperbedingte ständige Stimulation des Immunsystems diskutiert oder auch eine Immunreaktion bedingt durch kleine Verletzungen des Zervixepithels. Durch eine dadurch bedingte Verbesserung der Immunantwort könnte das Gewebe möglicherweise präziser auf eine HPV-Infektion reagieren.

Fazit für die Praxis
Auch wenn letztlich die zugrunde liegenden Mechanismen der positiven IUP-Effekte auf ein Zervixkarzinomrisiko unklar bleiben: Aus klinischer Sicht kann man Frauen, die IUP zur Antikonzeption verwenden, die Gewissheit geben, dass deren Verwendung nach aktuellem Kenntnisstand kein erhöhtes Zervixkarzinomrisiko
beinhaltet.

Korrespondenzadresse:
Dr. med. Julia Gallwas
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe Klinikum Großhadern
Machioninistrasse 15, 81377 München
E-Mail: Julia.Gallwas@med.uni-muenchen.de