28.Januar 2012

HPV-Impfschutz

Für beide Geschlechter?

Leimen - Unter Wissenschaftlern besteht kein Zweifel, dass sowohl Frauen als auch Männer von der HPV-Impfung profitieren können. Das wurde unter anderem bei der 27. Internationen Papillomaviruskonferenz 2011 in Berlin offensichtlich.

Seit 2007 werden junge Mädchen in Australien im Rahmen eines Schulimpfprogramms vorrangig mit einem tetravalenten Impfstoff (Gardasil®) geimpft. Seitdem wurde laut Professor Andrew Grulich, Universität of New South Wales, Sydney (Australien), die Häufigkeit hochgradiger Veränderungen der Schleimhaut des Gebärmutterhalses bei Frauen unter 18 Jahren nahezu halbiert. Frühere Auswertungen australischer Daten zeigten ab 2007 zudem einen raschen und deutlichen Rückgang von Neuerkrankungen an Genitalwarzen (Kondylomata akuminata) nach Einführung der Schulimpfung und eines Catch-up-Programms für Mädchen und junge Frauen im Alter von 12 bis 26 Jahren um 73 Prozent (Garland et al. 2011). Gleichzeitig nahm auch die Häufigkeit von Genitalwarzen bei ungeimpften jungen heterosexuellen Männern ab - als Folge der Impfung weiblicher Sexualpartnerinnen.

Rationale für die Impfung beider Geschlechter
Eine Kernfrage stellt sich damit bezogen auf die ethische Rationale einer Impfung von sowohl Mädchen als auch Jungen. Rund 6 000 Gebärmutterhalskrebserkrankungen sowie weitaus mehr Fälle von Genitalwarzen und anderen anogenitalen Krebsformen oder Krebsvorstufen gehen hierzulande jährlich auf das Konto von HPV-Infektionen (vgl. gyne 12/2011). Schätzungsweise 70 bis 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit einem oder mehreren der rund 30 Virustypen, die für Erkrankungen des Anogenitaltrakts verantwortlich sind (Syrjänen et al. 1990, Koutsky 1997). Nach Auffassung von Anna Giuliano, PhD, Moffitt Cancer Center, Tampa (USA), besteht die Rationale für die Impfung beider Geschlechter in den Überlegungen, ob es ethisch vertretbar sei, Frauen die alleinige Verantwortung für die Prävention von HPV-Infektionen zu übertragen, und Männer nicht vom Nutzen der Impfung profi tieren zu lassen. Zudem könnte die Impfung von Jungen gegen HPV auch dazu beitragen, die Verbreitung der HP-Viren in der Bevölkerung weiter zu reduzieren. Der tetravalente Impfstoff ist der einzige HPV-Impfstoff, für den Daten zur Prävention HPV-bedingter Erkrankungen (durch bestimmte HPV-Typen) für beide Geschlechter vorliegen. pep